Akademie des Pferdes
Akademie des Pferdes

Das Schulpferd                          Bildungs- und Bewegungspädagoge

Der Bildungs- und Bewegungspädagoge  „Schulpferd“ erweitert das Schulprofil und wird als bildungsergänzender, schulsportlicher und sozialpädagogischer Ergänzungsbereich verstanden. Kein standardisiertes Programm, sondern ein Konzept, das auf den individuellen Voraussetzungen der jeweiligen Schule basiert, ist Grundlage. Der Umgang mit dem Pferd bietet ideale Möglichkeiten, in einen Dialog mit einem anderen Lebewesen zu treten und nonverbale, körpersprachliche Reaktionen zu interpretieren und zu kommunizieren. Man muss sich in ein anderes Lebewesen hineinversetzen und antizipieren, wie es auf seine Umwelt reagieren wird. Der Umgang mit dem Pferd, das Reiten und Voltigieren stellt ein sportliches Lern- und Übungsfeld dar. Das pferdegestützte Lernen ist eine intensive Arbeit mit außergewöhnlichen Erfolgen, das Pferd bietet einen lebendigen und vielfältigen Anreiz zum Lernen. Der Partner Pferd fördert Lernen, Konzentration, Ausdauer, Aufmerksamkeit, Erinnerung, Kreativität, Planung, Orientierung und Imagination. Durch die Möglichkeit der Dreieckskommunikation, mit dem Pferd als Mittler, lassen sich Schüler leichter motivieren und lernen das Lernen. Im Vordergrund der Arbeit steht immer der Aufbau einer Beziehung zum Freund und Partner; das Pferd wiederum bringt seine individuellen Eigenheiten mit in die Beziehung ein, mit denen die Schüler lernen müssen, umzugehen. Pferdegestütztes Lernen bedeutet zielorientiertes Arbeiten, bei dem die einzelnen Stufen, Teilziele, Hauptziele und Methoden individuell ausgewählt werden. Hierbei handelt es sich um eine Arbeitsweise, bei der Menschen durch das Pferd ganzheitlich unterstützt und gefördert werden. Der Bildungs- und Bewegungsprozess findet nicht ausschließlich „auf dem Pferd“ statt, sondern vielmehr werden alle Möglichkeiten, die das Pferd und sein direktes Umfeld bieten gleichwertig genutzt. Pferdegestütztes Lernen greift diese positive Wirkung des Umgangs mit dem Pferd und des Reitens auf und setzt sie zielgerichtet ein, um Schüler in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen. Im Lernprozess motiviert das Pferd die Schüler zu aktiver Mitarbeit. Durch die Beziehungsgestaltung mit dem Pferd und dem Bewegungsdialog zum Pferd können die Schüler in den Bereichen Motorik, Wahrnehmung, Lernen und (Sozial-) Verhalten gefördert werden: Schritt für Schritt  werden Ängste ab- und Selbstbewusstsein aufgebaut, die allgemeine Befindlichkeit wird positiv beeinflusst.

Das Pferd als Bildungspädagoge

Vom schulischen Erziehungs- und Bildungsauftrag ausgehend, fördert eine erlebnisorientierte Bildung eine gesunde nachhaltige Entwicklung der Lebens- und Erfahrungswelt. Für diese Umsetzung leistet der Umgang mit dem Pferd einen bedeutenden Beitrag, da es viele fundamentale Bildungsgrundlagen bietet. Durch gemeinsame Motivation unterstützt das Pferd beim Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten durch forschende interaktive Wissensvermittlung und es entwickelt die Fähigkeit Denkprozessen beiwohnen zu können. Durch das Erkennen eigener Potenziale entdeckt der Schüler seine Talente und Stärken und lernt seine eigenen Schwächen zu akzeptieren.

Das Pferd als Bewegungspädagoge

Das Bewegen mit und auf dem Pferd bietet Wahrnehmungsschulung, Bewegungsförderung und fundamentale Entwicklungsmöglichkeiten. Pferde senden dreidimensionale Bewegungsimpulse und geben dem Schüler eine direkte Rückmeldung auf dessen Verhalten und Bewegungen und zudem werden die eigenen Bewegungsabläufe intensiv erfahren. Die Beschäftigung mit dem Pferd und das Bewegen auf ihm schult die visuelle, auditive und taktile Wahrnehmung und den Bewegungs- und Gleichgewichtssinn. Sein Gleichgewicht auf dem sich bewegenden Pferd zu finden, ist eine Herausforderung, da der Schüler hier seine Balance im Einklang mit den Bewegungen des Pferdes finden muss. Reiten und Voltigieren stellt Bewegungsaufgaben an alle muskulären Bereiche, weil der Schüler stets mit seinem ganzen Körper gefordert ist und gefördert wird um die vielseitigen Situationen auf dem Rücken des Pferdes bewältigen zu können. Die dreidimensionalen Bewegungen im Schritt  beeinflussen den Beckenbereich derartig, dass die schwache Muskulatur tonusmäßig aufgebaut, die starke dagegen abgeschwächt wird. Es entsteht eine Harmonie aller Muskeln um das Bewegungszentrum Becken, die sich ganzkörperlich positiv auswirkt. Der Schüler soll sich losgelassen den Bewegungen des Pferdes anpassen und sie mit vollziehen. Sitzen, Knien oder Stehen auf dem Pferd ist also kein starrer Vorgang, sondern hochgradig dynamisch gemäß den Anforderungen, wie sie bei Grundtätigkeiten des Menschen beim Gehen, Laufen, Springen, usw. vorkommen. Das Pferd gibt dem Menschen zunächst durch seine Bewegungen einen Rhythmus vor. Diesen muss er erfassen, aufnehmen und sich anpassen, damit ein Zusammenspiel beider Bewegungen entstehen kann. Jede Gangart und jedes Gangmaß gibt neue Rätsel auf, die gelöst werden wollen. Die Bewegungen des Pferdes fordern in seiner Ganzheit auf, es können nicht Detailbewegungen in den Fokus geraten, denn das Sitzen ist nicht über Bewegungen von Teilen des Körpers möglich. Bewegungen im Sitzen beeinflussen die Beckentätigkeit derart, dass die Flexibilität sich erhöht und Verspannungen im gesamten Körper vermieden werden. Es finden Bewegungsübertragungen vom Becken bis zum Kopf und zu den Füßen statt, die zu einem natürlichen Muskeltonus führen. Verspannte Schüler werden lockerer, untertonisierte entwickeln einen Aufbau von Muskelspannungen, die zu höherer Leistungsfähigkeit führen. Gleichgewicht ist nicht nur ein sportspezifisches Element, sondern Grundlage für eine gesunde Entwicklung und Sensibilisierung aller anderen Sinne. Das Pferd vermag durch seine Bewegungsabläufe und Körperwärme auf die Psyche des Menschen stimulierend zu wirken. Der Schritt entspricht dem Herzrhythmus des Menschen und der Galopp gleicht einer Schaukelbewegung. Das Pferd überträgt positive Wahrnehmungen in das Unterbewusste des Menschen ein und wirkt beruhigend und entspannend. Bewegen auf und mit dem Pferd lässt für den Menschen Wahrnehmungen zu, die es sonst in anderen Bewegungswelten nicht erfahren kann. Da sich das Pferd in einem anderen Tempo und mit anderen Krafteinsätzen bewegt, verändern sich die Raumwahrnehmungen des Menschen. Raumdimensionen und Zeitraum werden auf dem Pferd anders eingeschätzt gemäß der Gangart und dem Gangmaß. Das Pferd ist imstande, durch die Vielschichtigkeit der Bewegungen in Schritt, Tab und Galopp auch die nicht willentlich beeinflussbaren Muskeln zu erfassen und somit die Körperhaltung insgesamt zu verbessern. Reiten und Voltigieren fördern und fordern koordinative Fähigkeiten wie situative Anpassungs-, Reaktions- und Orientierungsfähigkeit, es ist stets der ganze Mensch gefordert.